Ein Sprung, eine Landung, eine Rolle, eine Übung am Reck: Beim Kinderturnen arbeitet der ganze Körper. Die Kinder stützen, hängen, schwingen, balancieren und springen. Sie lernen neue Elemente und verbinden sie Schritt für Schritt zu einer Übung, die sie bei einem Turn10-Wettkampf zeigen können.
Mit zwei Trainingseinheiten zu je zwei Stunden pro Woche ist Turnen ein fester Teil ihres Alltags. Die Kinder erleben, dass regelmäßiges Üben etwas verändert: Eine Bewegung, die zuerst wackelig war, wird sicherer. Ein Element gelingt flüssiger. Eine Übung bekommt einen neuen Baustein.
Ein Training für den ganzen Körper
Beim Stützen, Klettern und Hängen setzen Kinder Arme, Beine und Rumpf gemeinsam ein. Beim Absprung entwickeln sie Kraft; bei der Landung bremsen sie die Bewegung kontrolliert ab. Auf dem Balken sind Gleichgewicht und präzise Bewegungen gefragt. Am Boden lernen sie, Drehungen, Rollen und Sprünge miteinander zu verbinden.
So trainieren die Kinder Kraft, Koordination, Beweglichkeit, Orientierung und Körperkontrolle. Diese Fähigkeiten helfen ihnen, anspruchsvollere Turnelemente zu lernen – und geben ihnen eine starke Grundlage für Bewegung und Sport allgemein.


Herz, Kreislauf und Stoffwechsel profitieren von Bewegung
Regelmäßige Bewegung verbessert die körperliche Fitness und trainiert das Herz-Kreislauf-System. Sie unterstützt außerdem wichtige Bereiche der Stoffwechselgesundheit, etwa die Regulation von Blutzucker und Insulin. Die WHO nennt bei Kindern und Jugendlichen Verbesserungen der Herz-Kreislauf- und Muskel-Fitness, der Stoffwechsel- und Knochengesundheit sowie der kognitiven Gesundheit als wichtige Vorteile regelmäßiger körperlicher Aktivität. WHO-Leitlinie zu Bewegung und sitzendem Verhalten
Die WHO empfiehlt Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 bis 17 Jahren im Wochendurchschnitt mindestens 60 Minuten Bewegung pro Tag. An mindestens drei Tagen pro Woche sollen auch intensivere Aktivitäten vorkommen, die Muskeln und Knochen stärken. Vier Stunden Turntraining pro Woche sind dafür ein regelmäßiger und substantieller Bewegungsumfang; Bewegung im Alltag ergänzt das Training zusätzlich.
Sprünge und Landungen setzen wichtige Reize für Knochen
Knochen sind lebendiges Gewebe. Sie passen sich an Belastung an. Sprünge, Absprünge und Landungen setzen mechanische Reize, die den Knochenaufbau während des Wachstums unterstützen können.
Eine Meta-Analyse von 22 Trainingsstudien fand bei Kindern durch Bewegungsprogramme einen zusätzlichen Knochenzuwachs von etwa 0,6 bis 1,7 Prozent pro Jahr. Die Effekte zeigten sich besonders bei Kindern vor der Pubertät und unterschieden sich je nach Körperstelle und Entwicklungsstand. In einer randomisierten Studie mit Kindern zwischen etwa sechs und zehn Jahren führte ein siebenmonatiges Sprungprogramm zu größeren Zunahmen der Knochenmasse an Hüfte und Wirbelsäule als das Vergleichsprogramm ohne Sprünge. Übersichtsarbeit zu Bewegung und Knochenaufbau · Randomisierte Sprungstudie
Auch Sehnen und Knorpel reagieren auf Bewegung
Wachstum und Bewegung beeinflussen nicht nur Muskeln und Knochen. Auch Sehnen, Bänder und Knorpel stehen in Wechselwirkung mit Belastung. Bei vorpubertären Kindern veränderten sich die mechanischen Eigenschaften der Achillessehne nach einem Krafttrainingsprogramm. Eine Langzeitbeobachtung fand zudem Zusammenhänge zwischen sportlicher Aktivität und dem Wachstum bestimmter Knorpelbereiche im Knie. So wird sichtbar: Bewegung setzt Reize für den ganzen Bewegungsapparat – auch für Gewebe, die man im Training nicht direkt sieht.
Bewegung trainiert auch das Gehirn
Beim Turnen muss ein Kind eine Bewegung planen, eine Reihenfolge behalten, Rückmeldungen aus dem Körper verarbeiten und sich auf die nächste Aufgabe konzentrieren. Eine Übung zu lernen und später in der richtigen Reihenfolge zu zeigen, fordert Aufmerksamkeit, Gedächtnis und flexibles Denken.
Eine randomisierte Studie mit 221 Kindern im Alter von 7 bis 9 Jahren untersuchte ein neunmonatiges Bewegungsprogramm. Im Vergleich zur Kontrollgruppe verbesserten sich die Kinder bei Aufgaben zur Impulskontrolle und zum flexiblen Denken. Auch Messungen der elektrischen Gehirnaktivität veränderten sich. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse fand ebenfalls positive Effekte regelmäßiger Bewegung auf bestimmte Messwerte der Gehirnfunktion. FITKids-Studie zu Bewegung und exekutiven Funktionen · Übersichtsarbeit zu Gehirnfunktion und Bewegung
Diese Fähigkeiten sind auch beim Lernen wichtig. Impulskontrolle hilft, Ablenkungen auszublenden. Das Arbeitsgedächtnis hilft, eine Anweisung und ihre einzelnen Schritte im Kopf zu behalten. Flexibles Denken hilft, zwischen Aufgaben zu wechseln und neue Lösungen zu finden. Eine aktuelle Meta-Analyse randomisierter Studien fand positive Effekte von Bewegungsprogrammen auf einzelne Bereiche exekutiver Funktionen und auf Mathematikleistungen. Bewegung kann damit wichtige Voraussetzungen des Lernens unterstützen.
Eine Investition in langfristige Gesundheit
Peter Attia bezeichnet vier große Gruppen chronischer Erkrankungen als die „vier apokalyptischen Reiter“: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, neurodegenerative Erkrankungen und Stoffwechselerkrankungen. Regelmäßige Bewegung kann über das Leben hinweg wichtige Risikofaktoren günstig beeinflussen – darunter Fitness, Blutdruck und Stoffwechselgesundheit. Sie ist ein wichtiger Teil langfristiger Gesundheitsvorsorge. Peter Attia: die vier Gruppen chronischer Erkrankungen
Auch zur Gesamtmortalität gibt es Langzeitdaten: In einer britischen Geburtskohorte war körperliche Aktivität im Jugendalter mit einem geringeren Risiko verbunden, bis zum mittleren Erwachsenenalter zu sterben. Das ist ein beobachteter Zusammenhang über Jahrzehnte und unterstreicht die Bedeutung eines aktiven Lebensverlaufs. Langzeitstudie zu Aktivität in Kindheit und Jugend
Turn10: Fortschritte erleben und gemeinsam antreten
Turn10 ist ein Wettkampfprogramm für Kinder, die regelmäßig trainieren und ihre Übungen bei Wettkämpfen zeigen möchten. Die Kinder lernen Elemente an verschiedenen Geräten und stellen daraus ihre Übungen zusammen. Das Ziel ist greifbar: eine Bewegung sicherer auszuführen, die Übung zu erweitern oder den ersten Wettkampfauftritt zu meistern. Turn10: Informationen zum Programm
Bei der TS Kennelbach verbinden wir zweimal zwei Stunden Training pro Woche mit Freude an Bewegung und einem gemeinsamen sportlichen Ziel. Die Kinder werden kräftiger, koordinierter und sicherer – und erleben, wie sich kontinuierliches Üben auszahlt.
Interesse am Kinderturnen?
Schnuppertraining ist jederzeit möglich. Auf unserer Trainingsseite findest du die Gruppen und die passende Kontaktperson.
Du suchst Trainingszeiten, Regeln, Beiträge oder Infos zum Ablauf? Hier findest du die Elterninformationen zum Kinderturnen.
Quellen
- World Health Organization. WHO Guidelines on Physical Activity and Sedentary Behaviour (2020)
- Becker et al. Does Exercise Influence Pediatric Bone? A Systematic Review (2015)
- Fuchs et al. Jumping improves hip and lumbar spine bone mass in prepubescent children (2001)
- Hillman et al. Effects of the FITKids Randomized Controlled Trial on Executive Control and Brain Function (2014)
- Ludyga et al. The effects of physical activity on brain structure and neurophysiological functioning in children (2020)
- Qiu et al. Physical activity, executive function and academic performance in children (2026)
- Ruedl et al. Physical activity during early life and all-cause mortality in midlife (2023)
- Turn10: Infothek
Zu den Trainings- und Wettkampffotos: TS Kennelbach, Tätigkeitsbericht Kinder- & Jugendturnen 2025/26.
